Laufende Bilder e.V.

Der Verein „Laufende Bilder“ wurde von Liebhabern des Stummfilms gegründet. Unser Anliegen ist es, den Stummfilm aus seinem langen Schattendasein zu rufen und wieder lebendig zu machen.


 

Wir wollen dem  Publikum die Augen öffnen für eine unwiederholbare (und unübertreffbare) Kunstform und Neugier und Interesse erwecken für die Entstehung und Entwicklung des Films, seinen Einfluss auf Kunst, Politik und die Wahrnehmung der Menschen. Und wir möchten Sie durch unsere Vorführungen mit auf eine Zeitreise nehmen und Ihnen das Lebensgefühl dieser Epoche vermitteln. Sie sollen erleben, wie Geschichte zur Gegenwart wird und sehen, wie es war in unsrem Berlin, damals, als die Bilder zu laufen begannen.    

Berlin und der Stummfilm

Im November 1895 führte Erich Skladanowsky im “Wintergarten” in der Friedrichstraße kurze Stummfilme vor. Damit trat in Berlin die Cinemathographie in das Leben der Menschen. 1906 gab es siebenundzwanzig Lichtspieltheater, 1907 hundertzweiundvierzig, 1910 über dreihundert. Mit “Der Student von Prag” entstand 1913 der erste deutsche Kunstfilm. Damit entwuchs die Cinemathographie den Kinderschuhen und große   Regisseure traten auf den Plan. Joe May, Friedrich Wilhelm Murnau, Georg Wilhelm Pabst, Fritz Lang und viele andere mehr. Wöchentlich gingen etwa 2 Millionen Berliner ins Kintopp. Berlin wurde ein einziges Lichtspieltheater. Die Ufa beherrschte das Leben. Auf dem Tempelhofer Feld, in Babelsberg und Weissensee entstanden hunderte Filme. Berliner Schauspieler avancierten zu international gefeierten Stars. Auch Berlin selbst wurde zum Star. In “Asphalt” und “Berlin – Die Sinfonie der Großstadt” spürt man den Rhythmus der Stadt. In “Menschen am Sonntag” holt sie Luft von der Hektik der Woche. Was wäre Berlin ohne Stummfilm? Eine Kulisse ohne Theater.

11891126_1014820345225201_1560280117224040699_nWarum heute noch Stummfilme zeigen?

Warum sollten wir  Stummfilme sehen, wenn das Multiplex Tonfilme zeigt? Abgesehen davon, dass Stummfilme nie stumm waren, sie wurden immer von Deklamatoren, Klavierspielern und großen Orchestern begleitet, es gibt  viele (und gute)  Gründe dafür. Mit dem Stummfilm wird eine Epoche lebendig, die der Zuschauer, wenn überhaupt, nur noch aus Geschichtsbüchern kennt. Wie sah es aus, bevor Berlin in Schutt und Asche versank? Wie haben die Menschen gelebt? Was hat sie bewegt? Tragödien, Komödien, Gruselgeschichten – der Stummfilm hat sie konserviert. In ihm läuft der Zuschauer durch eine Welt, die es so nicht mehr gibt. Taxameterdroschken, der Herr mit Zylinder, die Dame mit dem riesigen Hut, preussische Offiziere, Gouvernanten, Diebe, Giftmischerinnen – lange schon tot und noch immer am Leben. Die Epoche des Stummfilms hat von 1895 bis 1928 gedauert. In dieser Zeit wurden Kriege geführt, fanden Revolutionen statt, fielen Monarchien. Die Straßen wurden von Automobilen erobert und das Geld verlor seinen Wert. Zugleich trat der Stummfilm seinen Siegeszug an. Erst Jahrmarktvergnügen, dann Kunst in Lichtspielpalästen. Erst Proletenspeise, dann Meisterwerke der Cinematographie. “Das Kabinett des Dr. Caligari”, “Nosferatu”, “Die freudlose Gasse” – Spiele mit Schatten und Licht, Abgründe, Mythen. Die Schauspieler entwickelten eine Gebärdensprache, die alle verstanden. Die bewegte Kamera hebelte die alte Welt aus den Angeln. Ernst Lubitsch ließ Madame Dubarry köpfen, Fritz Lang eroberte den Mond und Charlie Chaplin schlug sich als Tramp durch das Leben. Wer den Stummfilm nicht kennt, wird auch den Tonfilm nicht begreifen.

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